IMG_8775swWir trafen uns im Supermarkt. Und es war Liebe auf den ersten Blick. Kleiner Scherz. Nego kam spontan nach einem verzweifelten Telefonanruf meinerseits, weil es keine Champignons in dem riesigen „Disco“-Supermarkt gab. Er kam, um mir beim Suchen zu helfen, wie es sich gehört für einen Uruguayer, mit dem klassischen Matebecher in der Hand, und der Thermoskanne unter dem Arm. Die Sonne schien und wir liefen zusammen zu seiner Wohnung, in der ich ihm beim Kochen zusehen würde. Weil er ein interessanter Mensch ist und ziemlich viel zu erzählen hat, nahm das Kochen außergewöhnlich lange Zeit in Anspruch. Aber eigentlich ist es ein sehr leckeres und schnell zu zubereitendes Rezept, das einst von einem Restaurant in Montevideo erfunden wurde, zu Ehren des italienischen Sängers Caruso, der im Jahre 1915 Uruguay besucht hatte. Viel länger ist diese Geschichte nicht, aber die Uruguayer lieben sie. Die Urheber, deren Namen nicht bekannt sind, hatten sich Anregung aus den durch die italienischen Immigranten importierten Esstraditionen geholt. Die Sauce war ein Erfolg und wurde im Jahre 1950 von dem Koch Raymundo Monti in seinem Hauptstadt-Restaurant wieder aufgegriffen und mit Capelleti kombiniert. Die Pasta Sauce ist eines der beliebtesten Gerichte Uruguays und ich hatte sie noch nie gegessen, wollte sie aber, da sie eine Menge ungesunder Zutaten zusammenbringt, die ich liebe, unbedingt probieren.

Hier ist das Rezept:

½ Tasse Butter

½ Tasse Champignons

2 TL Mehl

1 Tasse Milch

1 Tasse Sahne

200g Schinken

100g geriebener Käse

Pasta

 

Die Butter in einer Pfanne schmelzen, die Champignons anbraten und anschließend das Mehl unterrühren. Milch und Sahne hinzugeben und wenn alles schön verrührt ist, kommen der kleingeschnittene Schinken und der geriebene Käse dazu. In Uruguay bedeutet Käse übrigens meistens Parmesan.

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Nego hat das Kochen schon zu Kindheitszeiten gelernt, als er regelmäßig für sich und seine kleine Schwester kochte, wenn die Eltern bei der Arbeit und die ältere Schwester noch in der Schule waren. Aber obwohl Nego, – wir sind uns sicher – , ein ausgezeichneter Koch ist, hat er noch nie Salsa Caruso zubereitet. Sie dafür aber sehr häufig in den Häusern von Freunden gegessen. Nego ist Fotograf und macht ziemlich schöne Fotos. Er selbst sieht auch sehr gut aus, was hier aber nichts zur Sache tun soll. Tut es aber vielleicht doch. Ich hatte ihn bei Tinder getroffen, auf der Suche nach Freunden, weil ich keine Zeit habe um welche auf der Straße zu machen. Dort gab es nur dunkle Bilder von ihm, auf denen er nicht so richtig zu erkennen war, was ihm einerseits etwas Mysteriöses gab, andererseits fragte ich mich natürlich, ob er denn etwas zu verbergen hätte. Weil er auf meine Frage, ob er kochen könne mit Ja geantwortet hatte, lud ich mich bei ihm zum Essen ein. Wir trafen uns also zum ersten Mal an der Fleischtheke von „Disco“. Und als er für mich kochte, wollte ich gar nicht mehr gehen, so nett war es mit ihm. Er erzählte von seinem nächsten Fotoauftrag, der ihn zurück in seine Heimat, den Grenzort Artigas führen wird, für eine Reportage über die Arbeit auf den Tabakfeldern. Weil man, wie mit den meisten Jobs in Uruguay nicht besonders viel Geld mit dem Fotografieren verdient, gibt Nego auch Fotografieklassen und promotet cervezas artesanales z.B. bei TEDx Montevideo Veranstaltungen. Er wohnt mit seiner kleinen Schwester und seinem Hund Olivia zusammen und scheint ein ziemlich guter Bruder zu sein, denn er wäscht das dreckige Geschirr sofort ab. Weil ich sein Spanisch besonders schlecht verstehe, bin ich mir nicht ganz sicher, was wirklich gesprochen wurde und was ich nur denke, dass er es gesagt hat. Wir reden über Uruguay und dass es schwierig ist mit dem Überleben hier. Die Löhne sind niedrig und die Preise sind hoch (ein Supermarkteinkauf ist locker doppelt so teuer wie im deutschen Discounter) und ungefähr alle, die nicht mit einem Partner zusammen wohnen, leben in WGs. Und ungefähr alle, machen mindestens zwei Jobs. Trotzdem geht es seit der Wirtschaftskrise von 2002 langsam bergaufwärts und seit etwa fünf Jahren sind die Straßen sehr viel voller, weil sich sehr viel mehr Menschen ein Auto leisten können, erzählt Nego.

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Das Essen schmeckt sehr gut, und sehr ungesund im besten Sinne und ich esse gleich zwei Teller, während Nego sich mit einem begnügt. Ich fühle mich ein bisschen wie das Schwein und verabschiede mich schnell. Bzw. fällt mir ein, dass ich ja auch noch ein paar Artikel zu schreiben habe. Weil er weiß, dass ich mit dem Fahrrad durch die gefährlichen Straßen Montevideos nach Hause fahre bittet er mich Bescheid zu sagen, wann ich ankomme. Sehr charmant, scheint doch draußen immer noch die Sonne.

We met in the supermarket. And it was love at first sight. Little joke. Nego arrived spontaneously after my desperate phone call, failing at finding mushrooms in the big „Disco“ supermarket. He came to help me, and he came as he was supposed to, as a real Uruguayan, with the Mate cup in his hand, and the thermo under his arm. The sun was shining and we walked together to his flat, where I would observe him cooking for me. The cooking process took a rather long of time since he is an interesting person and has a lot of stories to tell and also has to make little Mate breaks in between. In general though, it is a very tasty meal and easy to prepare. It was invented in a Montevidean restaurant, honoring the visit of the Italian singer Caruso, who came to Uruguay in 1915. There is not much more to tell, but the Uruguayans love this story. The inventors got their inspiration from the imported eating-traditions from the Italian immigrants. The sauce was an immediate success, and got even more famous, when chef Raymundo Monti in 1950 did a combination with Capelleti in his Restaurant in the Uruguayn capital. The pasta sauce is one of the most popular dishes in Uruguay and I had never ate it before, but was very interested in tasting it, since it contains a lot of unhealthy ingredients I like. Here is the recipe:

½ cup butter

½ cup champignons

2 TL flour

1 cup milk

1 cup cream

200g ham

100g grated cheese (Parmesan)

Pasta

Melt the butter in a pan, fry the champignons shortly and add the flour. Add milk and cream, and after putting everything together fondly, add the sliced ham and the grated cheese.

Nego learned to cook, when he was a child and used to cook regularly for himself and his younger sister, when his parents were still at work and his older sister still in school. But even when Nego is a great cook, – as we dare guessing – he never made a Salsa Caruso before. But ate the sauce regularly at the houses of friends. Nego is a photographer and makes rather beautiful pictures. He himself also looks rather good, but that shouldn’t matter, of course. I met him on Tinder, in search for friends in Montevideo, since I didn’t have the time to make them in the streets. Because he had answered „yes“ on my question if he was a good cook, I invited myself for lunch. And then we met in front of the meat vitrine of „Disco“. And when he then cooked for me, I almost didn’t want to go, since it was so nice with him. He talked about his next photo assignment which would lead him to the tobacco fields of his hometown Artigas. Because you don’t earn enough money just making photos, Nego also teaches photography and promotes cervezas artesanales at events like the TEDx Montevideo. He lives together with his younger sister and his dog Olivia and seems to be a very good brother, since he is washing the dirty dishes immediately (who does that?). Because I have a particular hard time understanding his Spanish, I am rather unsure what we really talked about or what I just think we talked about. We talk about Uruguay and how difficult it is to survive here. The wages are low and the prices are high and about everybody who doesn’t live with his partner or family lives in a shared flat. And about everybod has at least two jobs. After all, since the crisis of 2002 the situation seem to improve and since approx. 5 years the streets are filled with cars, which are more people nowadays are able to afford, says Nego.

The food is very tasty and very unhealthy in the best sense and I am eating two plates, while Nego is satisfied with just one. I feel a bit like the pig at the table and say quickly goodbye. Because he knows that I will drive my bike through the dangerous streets of Montevideo he asks me to tell him when I arrive at home. Very charming, since the sun is still shining.